WordPress oder maßgeschneidert? Diese Frage stellen sich viele, bevor sie eine neue Website in Auftrag geben. Und die Antwort, die du online meistens findest, lautet: "Es kommt darauf an." Das stimmt — aber es hilft dir nicht weiter.
In diesem Artikel bekommst du einen ehrlichen Vergleich. Kein WordPress-Bashing, keine Lobeshymne auf Custom-Entwicklung. Stattdessen: konkrete Fakten, damit du die richtige Entscheidung für dein Projekt treffen kannst.
Vorab zur Transparenz: Ich arbeite bei YB Digital mit individueller Webentwicklung (Next.js und React). Das heißt, ich habe eine natürliche Präferenz — aber ich versuche in diesem Artikel, beide Seiten fair darzustellen.
Was ist WordPress?
WordPress ist ein Content-Management-System (CMS), das 2003 als Blogging-Plattform gestartet ist und sich zum meistgenutzten Website-Baukasten der Welt entwickelt hat. Aktuell laufen etwa 43% aller Websites weltweit auf WordPress.
Wie WordPress funktioniert
WordPress bietet dir ein vorgefertigtes System mit drei Bausteinen:
- Themes: Fertige Design-Vorlagen, die das Aussehen deiner Website bestimmen. Es gibt tausende kostenlose und kostenpflichtige Themes.
- Plugins: Erweiterungen für zusätzliche Funktionen — SEO, Kontaktformulare, Online-Shops, Sicherheit, Caching. Über 60.000 Plugins sind verfügbar.
- Das Backend: Ein Admin-Bereich, über den du Seiten erstellen, Texte ändern, Bilder hochladen und Einstellungen verwalten kannst — ohne Programmierkenntnisse.
Das Konzept ist grundsätzlich clever: Du installierst WordPress, wählst ein Theme, fügst ein paar Plugins hinzu — und hast eine funktionierende Website. Für viele Anwendungsfälle ist das ein sehr effizienter Weg.
Was ist individuelle Webentwicklung?
Bei einer individuell entwickelten Website wird nichts aus dem Baukasten genommen. Alles — Design, Struktur, Funktionen, Code — wird von Grund auf programmiert. Typische Technologien sind React, Next.js, Vue.js, Svelte oder ähnliche moderne Frameworks.
Wie das in der Praxis aussieht
- Kein Theme: Das Design wird komplett individuell erstellt — Pixel für Pixel passend zu deiner Marke.
- Keine Plugins: Funktionen werden direkt in den Code geschrieben. Was nicht gebraucht wird, existiert nicht. Kein Ballast.
- Kein CMS-Overhead: Die Website besteht aus schlankem, optimiertem Code. Keine Datenbank-Abfragen bei jedem Seitenaufruf, keine unnötigen PHP-Prozesse.
- Volle Flexibilität: Wenn du eine Funktion brauchst, die kein Plugin abdeckt, wird sie eben programmiert. Es gibt keine technischen Einschränkungen.
Das Ergebnis ist eine Website, die exakt das tut, was sie soll — nicht mehr und nicht weniger. Kein aufgeblähter Code, keine Kompromisse bei Design oder Funktionalität.
Der ehrliche Vergleich: WordPress vs. individuell
Jetzt wird es konkret. Hier die wichtigsten Kriterien im direkten Vergleich:
| Kriterium | WordPress | Individuelle Entwicklung |
|---|---|---|
| Anfangskosten | Günstiger (500 – 5.000 €) | Höher (2.500 – 15.000+ €) |
| Laufende Kosten | Höher (Plugin-Lizenzen, Updates, Wartung) | Geringer (Hosting + Domain) |
| Performance | Oft langsamer durch Plugin-Overhead | Sehr schnell, da nur das geladen wird, was nötig ist |
| Sicherheit | Häufiges Angriffsziel, regelmäßige Updates nötig | Kleinere Angriffsfläche, weniger Wartung |
| Flexibilität | Groß durch Plugin-Ökosystem, aber an Grenzen gebunden | Unbegrenzt, aber mehr Entwicklungsaufwand |
| Content-Pflege | Einfaches, bekanntes Backend | Abhängig von der Lösung (Headless CMS, Markdown, etc.) |
| SEO | Gut mit Plugins (Yoast, Rank Math) | Von Grund auf optimiert, volle Kontrolle |
| Wartungsaufwand | Hoch (Updates, Plugin-Kompatibilität, Backups) | Gering (kein Plugin-Management nötig) |
| Einzigartigkeit | Eingeschränkt durch Theme-Vorgaben | Vollständig individuell |
Lass uns die wichtigsten Punkte im Detail durchgehen.
Kosten: Günstiger Start vs. günstigeres Langzeitmodell
WordPress lockt mit niedrigen Einstiegskosten. Ein Theme für 60 Euro, ein paar kostenlose Plugins, günstiges Hosting — und du hast eine Website für unter 1.000 Euro. Das klingt verlockend.
Aber die Rechnung geht langfristig oft nicht auf:
- Premium-Plugins: Viele wichtige Plugins kosten jährliche Lizenzgebühren. SEO-Plugin: 99 Euro/Jahr. Sicherheits-Plugin: 79 Euro/Jahr. Formular-Plugin: 49 Euro/Jahr. Backup-Plugin: 69 Euro/Jahr. Das summiert sich auf 300-500 Euro pro Jahr — nur für Plugins.
- WordPress-Wartung: Regelmäßige Updates (WordPress-Core, Theme, Plugins) sind Pflicht. Wenn du das nicht selbst kannst, zahlst du einen Entwickler dafür: 50-200 Euro im Monat.
- Performance-Probleme: Wenn die Website langsam wird — und das passiert bei WordPress häufig —, brauchst du jemanden, der optimiert. Das kostet.
Eine individuelle Website hat höhere Anfangskosten, aber deutlich geringere laufende Kosten. Hosting bei einem modernen Anbieter wie Vercel kostet oft unter 20 Euro im Monat. Und es gibt keine Plugin-Lizenzen, die jährlich erneuert werden müssen.
Mehr zu Website-Kosten im Detail findest du in meinem ausführlichen Preisguide.
Performance: Hier trennt sich die Spreu vom Weizen
Das ist für mich der wichtigste Unterschied. Und es ist kein theoretischer — du merkst ihn sofort.
WordPress: Jeder Seitenaufruf löst Datenbank-Abfragen aus. PHP generiert die Seite dynamisch. Dazu kommen die Skripte aller aktiven Plugins. Das Ergebnis: Ladezeiten von 3-6 Sekunden sind bei WordPress keine Seltenheit — vor allem auf Mobilgeräten.
Ja, man kann WordPress schneller machen. Caching-Plugins, CDN, Bildoptimierung — das hilft. Aber du kämpfst gegen eine Architektur, die nicht für Geschwindigkeit gebaut wurde. Du optimierst ein Problem, das bei einer individuellen Website gar nicht erst existiert.
Individuell: Eine mit Next.js gebaute Website wird als statisches HTML vorgerendert. Beim Seitenaufruf muss kein PHP interpretiert und keine Datenbank abgefragt werden. Die Seite ist einfach da. Ladezeiten unter 1 Sekunde sind der Normalfall, nicht die Ausnahme.
Warum das wichtig ist? Weil Geschwindigkeit direkt deine Conversion-Rate beeinflusst. Google bevorzugt schnelle Websites im Ranking. Und Besucher verlassen langsame Seiten, bevor sie überhaupt den Inhalt gesehen haben.
Sicherheit: Das unterschätzte Risiko
WordPress ist das meistgenutzte CMS der Welt. Das macht es zum beliebtesten Angriffsziel für Hacker. Das ist keine Übertreibung — laut Sicherheitsberichten sind über 90% aller gehackten CMS-Websites WordPress-Seiten.
Die häufigsten Einfallstore:
- Veraltete Plugins: Ein Plugin, das nicht aktualisiert wird, kann eine Sicherheitslücke haben, die Angreifer ausnutzen.
- Veralteter WordPress-Core: Wer Updates ignoriert, macht die Tür für bekannte Schwachstellen auf.
- Unsichere Themes: Besonders bei kostenlosen Themes aus dubiosen Quellen ist Vorsicht geboten.
- Brute-Force-Angriffe: Die Standard-Login-Seite (wp-admin) wird automatisiert mit Passwort-Kombinationen beschossen.
Das bedeutet nicht, dass WordPress per se unsicher ist. Mit regelmäßigen Updates, guten Sicherheits-Plugins, starken Passwörtern und professionellem Hosting ist WordPress durchaus sicher zu betreiben. Aber es erfordert ständige Aufmerksamkeit.
Eine individuelle Website hat schlicht eine kleinere Angriffsfläche. Kein öffentlich bekanntes CMS, kein Standard-Login-Pfad, keine Plugins mit potenziellen Schwachstellen. Das macht sie nicht unhackbar — aber deutlich weniger attraktiv als Ziel.
SEO: Beide Wege führen nach Rom
Hier will ich ehrlich sein: Beide Ansätze können exzellentes SEO liefern. Der Unterschied liegt im Wie.
WordPress + SEO-Plugin (z.B. Yoast oder Rank Math): Du installierst ein Plugin, das dir hilft, Meta-Titles, Descriptions, Sitemaps und Schema-Markup zu erstellen. Das funktioniert gut. Millionen von Websites ranken hervorragend mit WordPress. Aber du bist auf die Möglichkeiten des Plugins begrenzt.
Individuelle Entwicklung: SEO wird direkt in die Architektur eingebaut. Sauberes HTML, optimale Heading-Struktur, blitzschnelle Ladezeiten, automatisch generierte Sitemaps, strukturierte Daten ohne Plugin-Overhead. Du hast volle Kontrolle über jeden technischen SEO-Aspekt — und die Performance-Vorteile geben dir einen Bonus bei den Core Web Vitals.
Content-Pflege: Der WordPress-Vorteil
Hier hat WordPress einen klaren Vorteil, und das muss man anerkennen. Das WordPress-Backend ist intuitiv. Texte ändern, Bilder hochladen, neue Seiten anlegen — das geht ohne technische Kenntnisse. Du loggst dich ein, klickst auf "Bearbeiten", änderst den Text und drückst "Veröffentlichen".
Bei einer individuellen Website hängt die Content-Pflege von der gewählten Lösung ab. Es gibt Optionen:
- Headless CMS (z.B. Sanity, Strapi, Contentful): Bietet ein benutzerfreundliches Backend, ähnlich wie WordPress. Du bearbeitest Inhalte über eine Web-Oberfläche.
- Markdown-Dateien: Inhalte werden in einfachen Textdateien geschrieben. Simpel, aber erfordert etwas Einarbeitung.
- Custom Admin-Panel: Ein maßgeschneidertes Backend, das genau die Funktionen bietet, die du brauchst.
Keine dieser Lösungen ist ganz so einfach wie WordPress. Das ist ein ehrlicher Nachteil, den man benennen muss.
Wann WordPress die richtige Wahl ist
WordPress ist nicht schlecht. Es ist ein mächtiges Tool, das für bestimmte Anwendungsfälle die beste Wahl sein kann:
- Blog-lastige Websites: Wenn du regelmäßig Artikel veröffentlichst und Content das Herzstück deiner Website ist, bietet WordPress ein bewährtes System dafür.
- Häufige Inhaltsänderungen: Wenn du täglich oder wöchentlich Inhalte ändern musst und kein Entwickler verfügbar sein soll.
- Begrenztes Budget: Wenn du aktuell 500-2.000 Euro für eine Website hast und schnell online gehen musst.
- DIY-Ansatz: Wenn du deine Website selbst bauen und pflegen möchtest, ohne Code schreiben zu müssen.
- E-Commerce mit WooCommerce: Für kleinere Online-Shops ist WooCommerce eine solide und bewährte Lösung.
- Große Plugin-Vielfalt: Wenn du spezielle Funktionen brauchst (Buchungssystem, Mitgliederbereich, Forum), gibt es oft ein fertiges Plugin dafür.
Wenn du dich für WordPress entscheidest, achte darauf, dass du in gutes Hosting investierst, regelmäßige Updates einplanst und nicht 30 Plugins installierst, die deine Website ausbremsen.
Wann eine individuelle Website die bessere Investition ist
Eine individuelle Entwicklung lohnt sich, wenn folgende Punkte auf dich zutreffen:
- Performance ist geschäftskritisch: Wenn deine Website schnell sein muss — weil du z.B. über Google Ads Traffic einkaufst und jede Sekunde Ladezeit Geld kostet.
- Dein Markenauftritt muss einzigartig sein: Wenn du nicht wie 10.000 andere Websites mit dem gleichen Theme aussehen willst.
- Weniger Wartungsaufwand gewünscht: Wenn du keine Lust hast, dich mit Plugin-Updates und Sicherheits-Patches herumzuschlagen.
- Langfristige Investition: Wenn du die Website als langfristiges Business-Asset betrachtest und lieber einmal richtig investierst.
- Sicherheit hat Priorität: Wenn du sensible Daten verarbeitest oder einfach keine Angriffsfläche bieten willst.
- Du willst volle Kontrolle: Wenn du jedes Detail deiner Website bestimmen möchtest — von der Animation bis zum letzten Pixel.
Mehr darüber, worauf du bei der Auswahl eines Webentwicklers achten solltest, findest du in meinem separaten Artikel.
Headless CMS: Der Mittelweg
Es gibt einen dritten Weg, der das Beste aus beiden Welten kombiniert: Headless CMS.
Was bedeutet Headless?
Bei einem klassischen WordPress-Setup sind Backend (wo du Inhalte pflegst) und Frontend (was Besucher sehen) miteinander verknüpft. Bei einem Headless-Ansatz trennst du beides:
- Backend: WordPress (oder ein anderes CMS wie Sanity, Strapi) dient nur zur Inhaltspflege.
- Frontend: Eine individuell entwickelte Website (z.B. mit Next.js) holt sich die Inhalte über eine Schnittstelle (API) und stellt sie dar.
Was du davon hast
- Das einfache WordPress-Backend für die Content-Pflege
- Die Performance-Vorteile einer individuell entwickelten Website
- Volle Design-Freiheit im Frontend
- Bessere Sicherheit, weil das WordPress-Backend nicht öffentlich erreichbar sein muss
Der Haken
Headless-Lösungen sind technisch aufwendiger als beide Einzellösungen. Du brauchst einen Entwickler, der sowohl das CMS als auch das Frontend betreuen kann. Und die Einrichtung dauert länger. Das macht es teurer als ein Standard-WordPress-Setup — aber für manche Projekte ist es die perfekte Lösung.
Die wahren Kosten: Eine Beispielrechnung
Damit du die Kostenunterschiede greifbar siehst, hier ein Vergleich über 3 Jahre für eine Business-Website mit 5-8 Seiten:
WordPress
| Posten | Kosten |
|---|---|
| Entwicklung / Setup | 2.000 – 4.000 € |
| Hosting (3 Jahre) | 360 – 1.080 € |
| Premium-Plugins (3 Jahre) | 600 – 1.500 € |
| Wartung / Updates (3 Jahre) | 1.800 – 7.200 € |
| Gesamt über 3 Jahre | 4.760 – 13.780 € |
Individuelle Entwicklung
| Posten | Kosten |
|---|---|
| Entwicklung | 4.000 – 10.000 € |
| Hosting (3 Jahre) | 180 – 720 € |
| Plugins / Lizenzen | 0 € |
| Wartung (3 Jahre) | 0 – 3.600 € |
| Gesamt über 3 Jahre | 4.180 – 14.320 € |
Die Spanne überschneidet sich. Aber die Tendenz ist klar: WordPress ist am Anfang günstiger, wird aber durch laufende Kosten langfristig teurer. Eine individuelle Website kostet mehr am Anfang, spart aber über die Jahre.
Und das berücksichtigt noch nicht den Zeitaufwand, den du selbst für WordPress-Wartung aufbringst. Deine Zeit hat auch einen Wert.
Worauf es wirklich ankommt
Am Ende geht es nicht um WordPress vs. individuell. Es geht um deine Ziele.
Frag dich:
- Was soll die Website für mich tun? (Kunden gewinnen, informieren, verkaufen?)
- Wie wichtig ist mir ein einzigartiger Auftritt?
- Wie viel Budget habe ich — jetzt und langfristig?
- Wie viel Zeit will ich in die Pflege investieren?
- Wie wichtig ist mir Geschwindigkeit und Sicherheit?
Die Antworten auf diese Fragen zeigen dir den richtigen Weg. Nicht die Technologie bestimmt den Erfolg deiner Website — sondern ob sie zu deinen Zielen passt.
Fazit: Es gibt keine falsche Wahl — nur die falsche für dich
WordPress ist ein mächtiges, bewährtes System mit einem riesigen Ökosystem. Für blog-lastige Websites, knappe Budgets und DIY-Projekte ist es oft die pragmatischste Lösung.
Individuelle Webentwicklung bietet maximale Performance, Sicherheit und Einzigartigkeit — zu höheren Anfangskosten, aber mit geringeren Folgekosten.
Und der Headless-Ansatz kombiniert die Stärken beider Welten, erfordert aber mehr technisches Know-how.
Mein ehrlicher Rat: Lass dich nicht von Dogmen leiten. "WordPress ist Müll" ist genauso falsch wie "Custom-Entwicklung ist unnötig teuer." Die richtige Technologie hängt von deinem Projekt, deinem Budget und deinen Zielen ab.
Du bist dir unsicher, welcher Weg für dich der richtige ist? Schreib mir — ich berate dich ehrlich, auch wenn die Antwort am Ende "Nimm WordPress" lautet.