Deine Website ist online, das Design sieht gut aus — aber irgendwie passiert nichts. Wenig Anfragen, kaum Verweildauer, Besucher verschwinden nach ein paar Sekunden. Woran liegt das? In vielen Fällen nicht am Design. Sondern an den Texten.
Gutes Webdesign zieht Besucher an. Aber deine Texte überzeugen sie, zu bleiben, zu lesen, zu klicken — und am Ende zu kaufen oder dich zu kontaktieren. Die meisten kleinen Unternehmen investieren tausende Euro in Design und Entwicklung, aber schreiben ihre Texte nebenbei in einer halben Stunde. Das ist, als würdest du einen Porsche kaufen und Fahrradreifen draufziehen.
In diesem Artikel zeige ich dir, wie du Website-Texte schreibst, die wirklich funktionieren — auch ohne professionellen Texter. Konkret, praxisnah und mit Beispielen.
Warum Website-Texte so wichtig sind
Hier eine Zahl, die dich vielleicht überrascht: 80 % der Besucher scannen deine Website. Nur 20 % lesen tatsächlich Wort für Wort. Das bedeutet: Deine Texte müssen für beide Gruppen funktionieren — für die Scanner und für die Leser.
Scanner brauchen klare Überschriften, fette Highlights, kurze Absätze und Listen. Sie springen von Überschrift zu Überschrift und entscheiden in Sekunden, ob der Inhalt relevant ist. Leser brauchen Tiefe, Argumente, Beispiele und Persönlichkeit.
Wenn deine Texte nur aus langen Textblöcken ohne Struktur bestehen, verlierst du 80 % deiner Besucher sofort. Wenn sie nur aus Stichpunkten bestehen, fehlt die Überzeugungskraft für die 20 %, die wirklich lesen.
Die Lösung: Texte, die beides können. Scanbar in der Struktur, überzeugend im Detail. Genau das lernst du in diesem Artikel.
Die Startseite: Dein wichtigstes Schaufenster
Die Startseite ist die erste Seite, die die meisten Besucher sehen. Du hast etwa 3 Sekunden, um sie zu überzeugen, dass sie hier richtig sind. Das ist weniger Zeit, als du brauchst, um diesen Absatz zu lesen.
Die Headline: Nutzenversprechen, nicht "Willkommen"
Der häufigste Fehler auf Startseiten: "Willkommen auf unserer Website" oder "Herzlich willkommen bei Firma XY". Das sagt dem Besucher genau nichts. Er weiß bereits, dass er auf deiner Website ist — er will wissen, was du für ihn tun kannst.
Schlecht: "Willkommen bei Müller Consulting" Besser: "Wir helfen Mittelständlern, ihre Steuerlast legal um bis zu 30 % zu senken"
Schlecht: "Ihr Partner für Webdesign" Besser: "Websites, die dir Kunden bringen — nicht nur gut aussehen"
Deine Headline sollte in einem Satz klar machen, welchen konkreten Nutzen du bietest. Keine Floskeln, keine Buzzwords. Klartext.
Die Subheadline: Was du machst und für wen
Direkt unter der Headline folgt eine Subheadline, die erklärt, was du konkret machst und für wen. Zwei bis drei Sätze reichen.
Beispiel: "Ich designe und entwickle professionelle Websites für kleine Unternehmen und Selbstständige. Individuell, modern und darauf ausgelegt, Besucher in Kunden zu verwandeln."
Social Proof: Vertrauen aufbauen
Besucher vertrauen dir nicht sofort — und das ist völlig normal. Deswegen brauchst du Social Proof: Kundenstimmen, Logos von Unternehmen, mit denen du gearbeitet hast, Zahlen ("50+ zufriedene Kunden"), Bewertungen.
Platziere Social Proof prominent auf der Startseite — idealerweise oberhalb des Falzes (also im sichtbaren Bereich ohne Scrollen).
Der Call-to-Action: Was soll der Besucher jetzt tun?
Jede Startseite braucht einen klaren CTA. "Jetzt kostenloses Erstgespräch vereinbaren", "Angebot anfordern", "Portfolio ansehen" — nicht einfach nur "Mehr erfahren". Der CTA muss spezifisch sein und dem Besucher sagen, was als Nächstes passiert.
Die Über-mich-Seite: Unterschätzt und entscheidend
Wusstest du, dass die Über-mich-Seite (oder Über-uns-Seite) nach der Startseite meistens die am zweithäufigsten besuchte Seite ist? Menschen wollen wissen, mit wem sie es zu tun haben — besonders bei Dienstleistungen, die auf Vertrauen basieren.
Trotzdem sehen die meisten Über-mich-Seiten so aus: "Die Firma wurde 2015 gegründet und hat ihren Sitz in München. Unser Team besteht aus erfahrenen Fachleuten." Gähn.
Was eine gute Über-mich-Seite braucht
1. Deine Geschichte: Warum machst du, was du machst? Was treibt dich an? Menschen verbinden sich mit Geschichten, nicht mit Fakten. Du musst keine Autobiografie schreiben — aber ein ehrlicher Einblick in deinen Werdegang schafft Vertrauen.
2. Persönlichkeit: Zeig, wer du bist. Nicht jeder muss lustig oder lässig schreiben. Aber authentisch. Wenn du eher der ruhige, analytische Typ bist — zeig das. Wenn du locker und direkt bist — zeig das. Hauptsache, es fühlt sich echt an.
3. Expertise belegen: Nicht nur behaupten, dass du gut bist — zeig es. Zahlen, Erfahrungsjahre, Projekte, Kundenstimmen, Zertifikate. Konkrete Belege schlagen leere Behauptungen.
4. Ein Foto: Klingt banal, aber ein echtes Foto macht einen riesigen Unterschied. Menschen wollen ein Gesicht sehen. Kein Stockfoto, kein Avatar — du, echt.
Schau dir als Beispiel meine Über-mich-Seite an — dort siehst du, wie das in der Praxis aussieht.
Die Leistungsseite: Nutzen statt Features
Hier machen 90 % der Unternehmen den gleichen Fehler: Sie listen ihre Features auf, statt den Nutzen zu formulieren. Der Kunde interessiert sich nicht für deine Features — er will wissen, was er davon hat.
Features vs. Nutzen — der Unterschied
| Feature (langweilig) | Nutzen (überzeugend) |
|---|---|
| Responsive Design | Deine Website sieht auf jedem Gerät perfekt aus |
| SEO-Optimierung | Deine Kunden finden dich bei Google |
| Schnelle Ladezeiten | Kein Besucher springt ab, weil er warten muss |
| Individuelle Entwicklung | Eine Website, die es nur einmal gibt — deine |
| CMS-Integration | Du kannst Inhalte selbst ändern, ohne Programmierer |
Siehst du den Unterschied? Features beschreiben, was du machst. Nutzen beschreiben, was der Kunde davon hat. Und den Nutzen kannst du dir auf der Leistungsseite genauer ansehen.
Struktur einer guten Leistungsseite
Für jede Leistung empfehle ich diese Struktur:
- Überschrift mit Nutzenversprechen (nicht nur der Leistungsname)
- Kurzbeschreibung (2-3 Sätze: Was bringt das dem Kunden?)
- Was enthalten ist (konkrete Liste)
- Für wen ist das geeignet? (Zielgruppe benennen)
- CTA (Link zur Kontaktseite oder zum Angebot)
Diese Struktur hilft dem Besucher, schnell zu scannen und gleichzeitig alle nötigen Informationen zu bekommen.
Grundregeln für gute Website-Texte
Egal welche Seite du schreibst — diese Grundregeln gelten überall:
Kurze Sätze, kurze Absätze
Lange Verschachtelungen funktionieren in der Wissenschaft. Auf Websites sind sie Gift. Halte deine Sätze unter 20 Wörtern. Absätze sollten maximal 3-4 Zeilen lang sein.
Schlecht: "Unser Unternehmen, das im Jahr 2015 von erfahrenen Spezialisten gegründet wurde, die zuvor in verschiedenen namhaften Agenturen und Unternehmen tätig waren, bietet Ihnen umfassende Dienstleistungen im Bereich Webdesign, Webentwicklung und Online-Marketing an."
Besser: "Seit 2015 bauen wir Websites, die Kunden bringen. Unser Fokus: Webdesign, Entwicklung und Online-Marketing."
Aktive Sprache statt Passiv
Passive Formulierungen klingen bürokratisch und distanziert. Aktive Sprache ist direkter und lebendiger.
Passiv: "Die Website wird von unserem Team erstellt." Aktiv: "Wir erstellen deine Website."
Passiv: "Es werden individuelle Lösungen angeboten." Aktiv: "Ich entwickle individuelle Lösungen für dein Problem."
"Du" statt "man" oder "wir"
Sprich deine Besucher direkt an. Nicht "man sollte darauf achten" oder "unsere Kunden profitieren von", sondern "du profitierst von" und "achte darauf, dass". Direkte Ansprache schafft Nähe und wirkt persönlich.
Natürlich muss die Anrede zur Marke passen. Ein Steuerberater für Großkonzerne wird kaum "Du" schreiben. Aber für die meisten kleinen Unternehmen, Selbstständigen und Freiberufler ist "Du" die bessere Wahl.
Konkret statt abstrakt
Zahlen schlagen Adjektive. Immer.
Abstrakt: "Wir haben viel Erfahrung und viele zufriedene Kunden." Konkret: "Seit 8 Jahren. Über 50 Projekte. 4,9 Sterne auf Google."
Abstrakt: "Schnelle Ladezeiten für bessere Performance." Konkret: "Ladezeit unter 2 Sekunden — schneller als 95 % aller Websites."
Scanbar: Zwischenüberschriften, Listen, Highlights
Denk an die 80 % Scanner. Deine Texte brauchen:
- Zwischenüberschriften alle 200-300 Wörter
- Fettungen für die wichtigsten Aussagen
- Listen für Aufzählungen (genau wie diese hier)
- Kurze Absätze (maximal 3-4 Zeilen)
- Visuelle Trennung zwischen Abschnitten
Wenn jemand deinen Text nur anhand der Überschriften und fetten Stellen liest, sollte er trotzdem die Kernbotschaft verstehen.
SEO-Texte vs. Leser-Texte: Geht beides zusammen?
Kurze Antwort: Ja. Lange Antwort: Es geht nicht nur zusammen — es muss zusammen.
Google ist schlauer als je zuvor. Keyword-Stuffing (also das krampfhafte Wiederholen eines Keywords) wird abgestraft. Google belohnt Texte, die für Menschen geschrieben sind und gleichzeitig relevante Begriffe natürlich verwenden.
So baust du Keywords natürlich ein
- Hauptkeyword in die H1-Überschrift (einmal, natürlich formuliert)
- Variationen in H2-Überschriften (nicht immer das gleiche Keyword)
- Natürliche Erwähnung im Text (alle 200-300 Wörter, aber nur wenn es passt)
- Synonyme und verwandte Begriffe verwenden ("Website-Texte", "Webtexte", "Online-Texte", "Copywriting")
- Nicht für Google schreiben — schreibe für Menschen und optimiere anschließend
Faustregel: Wenn sich ein Satz komisch anhört, weil du ein Keyword reingequetscht hast — schreib ihn um. Natürlichkeit geht immer vor.
Wenn du mehr über SEO-Grundlagen erfahren willst, lies auch meinen Artikel über häufige Website-Fehler — Punkt 5 behandelt SEO im Detail.
Häufige Fehler bei Website-Texten
Diese Fehler sehe ich bei fast jeder Website, die ich analysiere:
Zu viel "wir" statt "du"
Viele Unternehmen schreiben seitenweise über sich selbst: "Wir sind seit 20 Jahren am Markt. Wir haben 50 Mitarbeiter. Wir bieten erstklassige Qualität." Der Besucher denkt: Schön für euch — aber was habe ich davon?
Lösung: Dreh die Perspektive um. Statt "Wir bieten responsive Webdesign" schreibe "Deine Website funktioniert perfekt auf jedem Gerät."
Fachsprache und Buzzwords
Deine Kunden sind keine Branchenexperten. Begriffe wie "agile Workflows", "synergieorientierte Lösungen" oder "holistischer Ansatz" sagen den meisten Menschen nichts. Schreibe so, dass ein 15-Jähriger es verstehen würde.
Schlecht: "Wir implementieren state-of-the-art UI/UX-Paradigmen für maximale Conversion-Optimierung." Besser: "Wir gestalten deine Website so, dass Besucher gerne bleiben — und zu Kunden werden."
Zu lange Texte ohne Struktur
Lange Texte sind nicht das Problem. Lange Texte ohne Struktur sind das Problem. Ein 2.000-Wörter-Artikel mit klaren Überschriften, Listen und Absätzen liest sich leichter als 500 Wörter im Blocktext.
Kein Call-to-Action
Jede Seite braucht eine Handlungsaufforderung. Was soll der Besucher nach dem Lesen tun? Dich kontaktieren? Weiterlesen? Etwas kaufen? Wenn du es ihm nicht sagst, tut er — nichts.
Texte von der Konkurrenz kopieren
Klingt offensichtlich, passiert trotzdem ständig. Abgesehen von den rechtlichen Risiken: Kopierte Texte klingen generisch, passen nicht zu deiner Marke und werden von Google als Duplicate Content abgestraft. Deine Texte müssen deine Stimme haben.
KI-Texte — ja oder nein?
Die ehrliche Antwort: Ja, aber mit großem Aber.
ChatGPT und andere KI-Tools sind fantastisch als Startpunkt. Sie können dir helfen, eine erste Struktur zu erstellen, Ideen zu sammeln und den leeren Bildschirm zu überwinden. Dafür sind sie großartig.
Aber als Endprodukt taugen KI-Texte nicht. Warum?
1. Sie klingen generisch. KI-Texte haben einen erkennbaren Stil — glatt, formelhaft, austauschbar. Deine Besucher merken das, bewusst oder unbewusst.
2. Sie haben keine echten Erfahrungen. KI kann nicht erzählen, wie du letzten Monat ein schwieriges Projekt gerettet hast. Sie kann keine echten Kundengespräche wiedergeben. Authentizität ist nicht simulierbar.
3. Google wird schlauer. Google erkennt zunehmend KI-generierte Inhalte und bevorzugt menschlich erstellten Content mit echtem Mehrwert. Das "Helpful Content Update" belohnt Erfahrung und Expertise.
4. Deine Persönlichkeit fehlt. Gerade bei kleinen Unternehmen und Selbstständigen ist Persönlichkeit das stärkste Verkaufsargument. KI-Texte haben keine Persönlichkeit.
So nutzt du KI sinnvoll
- Nutze KI für erste Entwürfe und Ideenfindung
- Überarbeite jeden Text gründlich mit deiner eigenen Stimme
- Füge konkrete Beispiele aus deiner Erfahrung ein
- Ergänze Persönlichkeit und Meinungen
- Prüfe Fakten — KI erfindet gerne Dinge
Das Ergebnis sollte ein Text sein, bei dem niemand mehr erkennt, dass KI beteiligt war. Weil er nach dir klingt, nicht nach einer Maschine.
Fazit: Gute Texte sind kein Hexenwerk
Du musst kein professioneller Texter sein, um gute Website-Texte zu schreiben. Du musst nur ein paar Grundregeln beachten:
- Schreibe für deine Besucher, nicht für dich selbst. Nutzen statt Features, "du" statt "wir".
- Halte es kurz und scanbar. Kurze Sätze, klare Überschriften, Listen, Fettungen.
- Sei konkret. Zahlen statt Adjektive, Beispiele statt Floskeln.
- Sei authentisch. Deine Stimme, deine Erfahrungen, deine Persönlichkeit.
- Vergiss den CTA nicht. Jede Seite braucht einen klaren nächsten Schritt.
Texte sind der Teil deiner Website, der die eigentliche Überzeugungsarbeit leistet. Design sorgt dafür, dass Besucher bleiben. Texte sorgen dafür, dass sie handeln.
Wenn du bei deinem nächsten Website-Projekt Unterstützung brauchst — nicht nur beim Design, sondern auch bei der Content-Strategie — schreib mir gerne. Ich helfe dir, eine Website zu bauen, bei der Design und Texte zusammenspielen.
Und wenn du wissen willst, worauf du generell achten solltest, wenn du eine Website erstellen lässt, findest du hier den passenden Ratgeber: Website erstellen lassen: Worauf achten?